Laut ÖAMTC: „Tempo 100“-Limit spart weniger Sprit als gedacht

6 hours ago - 14. April 2026, Krone Zeitung
Laut ÖAMTC: „Tempo 100“-Limit spart weniger Sprit als gedacht
Angesichts der hohen Spritpreise kommt aktuell die Diskussion über niedrigere Tempolimits etwa auf Autobahnen auf. Immer wieder ist dabei von Einsparungen beim Treibstoff von bis zu 20 Prozent die Rede. Der ÖAMTC rechnet vor, wie viel Sprit diese Maßnahme wirklich einsparen würde.

Steigende Spritpreise haben die Debatte um ein Tempolimit auf Autobahnen neu entfacht. Immer wieder darauf angesprochen, schloss die Bundesregierung eine Senkung der höchstzulässigen Fahrschwindigkeiten bislang aus. Zuletzt Bundeskanzler Christian Stocker bei der Präsentation des neuen Koordinationsgremiums. Nun äußert sich auch der ÖAMTC kritisch: „Ein generelles Tempolimit von 100 km/h würde den Spritverbrauch gesamtwirtschaftlich um etwa ein bis drei Prozent senken. Nicht 15 bis 20 Prozent, wie in den Raum gestellt“, so Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessensveretung.

15 bis 20 Prozent seien unrealistisch. „Das eine sind einzelne konstante Autobahnfahrten unter Idealbedingungen – hier kann man durch eine Drosselung des Tempos von 130 auf 100 km/h tatsächlich 20 bis 25 Prozent Kraftstoff sparen. Das ist unstrittig und wurde auch in zahlreichen Test nachgewiesen“, so Wiesinger. Es sei aber völlig verfehlt, daraus die Wirkung eines niedrigeren Tempolimits auf den Spritverbrauch in Österreich abzuleiten. „Studien des Umweltbundesamtes legen nahe, dass es eine gesamt gesamtwirtschaftliche Spritersparnis von 1 bis höchstens 3 Prozent bringt“, argumentiert Wiesinger.

Denn statt einer Reduktion von 130 auf 100 km/h müsse man von realen Durchschnittsgeschwindigkeiten ausgehen: Diese liegen laut Studien bei etwa 115 bis 120 km/h auf freien Autobahnabschnitten und bei 100 bis 105 km/h in Tempo-100-Bereichen. Dadurch ergebe sich effektiv nur eine Temporeduktion von rund 15 km/h, was die mögliche Ersparnis pro Fahrt auf etwa zehn bis zwölf Prozent reduziere. Da zudem nur rund 34 Prozent der Pkw-Fahrleistung auf Autobahnen entfallen und mehr als die Hälfte davon bereits tempobeschränkt ist, schrumpft der Effekt weiter.

Mehr Spritersparnis durch „Grüne Welle“ und LKW-Überholverbot

Alternativ schlägt er vor, über eine Anpassung der Ampelschaltungen in der Stadt in Richtung „Grüne Welle“ und ein Überholverbot für LKW auf zweispurigen Autobahnen nachzudenken. Wiesinger: „Diese Maßnahmen würden zu deutlich selteneren und weniger intensiven Abbrems- und Beschleunigungsphasen von Pkw führen. Beides zusammen würde mit ziemlicher Sicherheit mehr Sprit sparen, als die bloße Reduktion der zulässigen Höchstgeschwindigkeit für Pkw auf Autobahnen und Schnellstraßen.“

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