Durch MAN-Schließung knapp 6.000 Jobs in Gefahr

21. April 2021 - heute

Durch MAN-Schließung knapp 6.000 Jobs in Gefahr

Im Auftrag der AK Wien hat das Wifo eine Studie durchgeführt, laut welcher 5.900 Jobs durch die Schließung des MAN-Werks in Steyr gefährdet wären.

Anfang April wurde darüber abgestimmt, wie es mit dem MAN-Werk in Steyr weitergeht. Nachdem sich die große Mehrheit der Belegschaft jedoch gegen eine Übernahme des Standorts durch Investor Siegfried Wolf entschieden hatte, leitete die Zentrale in München erste Schritte ein und kündigte Verträge der Leasingmitarbeiter. 

Hierzu hieß es aus München gegenüber der APA: Man habe das Ziel verfolgt, das MAN-Werk in Steyr unter einem neuen Eigentümer mit einer neuen Perspektive zu erhalten. Da dieser Plan abgelehnt worden sei, "setzen wir jetzt den angekündigten 'Plan B' der Schließung konsequent um. Einen 'Plan C' gibt es nicht", erläuterte der Konzern seine Vorgehensweise. 

Fast 6.000 Jobs gefährdet
Laut den Ergebnissen einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo stünden durch die Schließung des MAN-Standorts in Steyr 5.900 Jobs auf dem Spiel. Die Vertreter der Arbeiterkammer – in deren Auftrag die Studie durchgeführt wurde – sowie Studienautor Gerhard Streicher vermissen indes eine Industrie-Strategie in Österreich. 

Bei der Präsentation seiner Prognose bei einer Online-Pressekonferenz am Montag erklärte Streicher, dass die Kfz-Branche in Steyr im Wesentlichen von den beiden Unternehmen MAN und BMW getragen werde. Insgesamt würden derzeit knapp 6.000 Menschen – etwa ein Viertel der Beschäftigten in Steyr – dort arbeiten. Mit jeder Milliarde, die in der Autoindustrie in Steyr erwirtschaftet werde, seien 5.500 Jobs verbunden. Die Aufteilung dabei sieht so aus: 1.700 Arbeitsplätze direkt in der Branche, weitere 1.600 bei Zulieferern und 2.200 durch induzierte Effekte, zitiert die APA den Studienautor.

Auch die Idee der Staatsbeteiligung wird diskutiert. Der oberösterreichische AK-Präsident Johann Kalliauer sieht die Diskussion um eine Verstaatlichung als "extrem verkürzt" an. Eine staatliche Beteiligung habe lediglich dann Sinn, wenn es auch eine Strategie dazu gebe. Aber es wäre "sehr verlockend", das als Anlass zu nehmen, einen Veränderungsprozess anzustoßen, so Kalliauer laut APA.


IV-Präsident Georg Knill hingegen erläuterte zuletzt in der "Pressestunde", er schließe eine Staatsbeteiligung aus. Laut ihm gebe es für das Werk in Steyr "absolut" eine Perspektive. "Ich glaube, es werden Wege zurück an den Verhandlungstisch führen", sagte Knill, in der Hoffnung, dass Wolf doch noch mit ins Boot geholt wird.