Wie das Handelsblatt berichtet, muss Mercedes die Produktion im Werk Bremen drosseln. Der Grund: Es fehlen Batterien – und weitere wichtige Bauteile.
Besonders heikel ist die Situation bei den Akkus. Eigentlich sollten sie aus dem neuen CATL-Werk im ungarischen Debrecen kommen. Doch dort läuft die Produktion noch immer nicht. Nach Berichten ungarischer Medien wurde der Betrieb wegen Problemen im Zusammenhang mit Umweltauflagen und Abwasserverunreinigungen gestoppt. Stattdessen müssen die Batterien nun direkt aus China verschifft werden. Allein der Transport dauert rund sechs Wochen.
Damit zeigt sich erneut, wie abhängig Europas Autoindustrie trotz milliardenschwerer Investitionen noch immer von Asien ist. Selbst ein Premiumhersteller wie Mercedes kommt derzeit an chinesischen Batteriezellen nicht vorbei.
Doch damit nicht genug. Laut dem Bericht fehlt es auch an Bordnetzen – jenem Kabelsystem, das sämtliche elektrischen Komponenten eines Autos verbindet. Ursache sollen Überschwemmungen bei einem Zulieferer in Marokko sein, die dort die Produktion lahmgelegt haben.
Kaum GLC auf den Straßen
Für Mercedes kommt das zur Unzeit. Der neue Elektro-GLC soll eine zentrale Rolle in der Modelloffensive spielen. Die Auftragsbücher sind zwar gut gefüllt, auf Europas Straßen ist der SUV bisher aber kaum zu sehen. Bis Ende Mai wurden laut einer Auswertung des Handelsblatts lediglich rund 3300 Fahrzeuge neu zugelassen. Der neue BMW iX3 kommt im gleichen Zeitraum auf ein Vielfaches.
Branchenbeobachter sehen die Probleme nicht nur in unglücklichen Umständen. Kritiker werfen Mercedes vor, die Lieferketten aus Kostengründen zu stark verschlankt zu haben. Im Zuge des laufenden Sparprogramms sollen Komponenten teilweise nur noch von einzelnen Zulieferern bezogen werden. Fällt einer davon aus, gerät schnell die gesamte Produktion ins Wanken. Mercedes äußerte sich zu diesem Vorwurf gegenüber dem Handelsblatt nicht.
Der Fall zeigt, dass der Erfolg eines Elektroautos heute längst nicht mehr nur von Reichweite oder Ladeleistung abhängt. Oft entscheidet eine funktionierende Lieferkette darüber, ob ein Modell überhaupt rechtzeitig beim Kunden ankommt. Und genau daran scheint der Elektro-GLC derzeit zu scheitern.
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