Renault-Chef wettert gegen Crash- und Abgas-Normen

3 weeks, 2 days ago - 01. June 2022, Krone Zeitung
Renault-Chef wettert gegen Crash- und Abgas-Normen
Autos nähern sich immer mehr der Unerschwinglichkeit für Normalverdiener an. Das liegt aktuell natürlich unter anderem an Chip- und sonstigen Teile-Krisen, aber nicht nur. Deshalb ist Renault-Chef Luca de Meo jüngst der Kragen geplatzt: Der Konzernmanager greift die europäische Crashtest-Organisation Euro NCAP und wettert gegen die kommende europäische Abgasnorm Euro 7.

„Die neuen Vorgaben kosten viel, bringen aber nur wenig“, wird de Meo von der Automobilwoche zitiert. Mit der sich abzeichnenden Zielvorgabe Euro 7 würden Neuwagen nochmals erheblich teurer und für viele Menschen letztlich unerschwinglich bei nur sehr geringen Verbesserungen für die Umwelt.
Und dabei ist nicht von kleinen Beträgen die Rede: Ein Auto werde in der Herstellung im Schnitt um 1000 Euro teurer. „Das bedeutet, dass wir im Konzern Kosten von etwa einer Milliarde Euro haben. Diese Kosten müssten wir letztlich auf die Endkundenpreise aufschlagen.“

1000 Euro für drei Gramm
Der Preisaufschlag sei völlig unverhältnismäßig für das, was unterm Strich an Positivem herauskomme. Würde die aktuelle Norm Euro 6d (full) weiter bis 2030 gelten, dürfte die durchschnittliche Emission pro Fahrzeug in der Renault-Flotte angesichts der schon längst eingeleiteten Elektrifizierung um 63 Prozent sinken, rechnet de Meo vor. Würde aber Euro 7 in der derzeit bekannt gewordenen Weise gefordert, sänken die Emissionen im Schnitt nur unwesentlich mehr - nämlich um 66,7 Prozent. „Wir müssten also für drei bis vier Gramm weniger CO2 ein Fahrzeug um 1000 Euro teurer machen“, so de Meo. Letzten Endes würden dadurch kleinere, erschwingliche Fahrzeuge nach und nach vom Markt verschwinden, befürchtet der Renault-Vorstandsvorsitzende.

Weihnachtsbäume mit nutzlosen Spielereien“
Einmal in Fahrt, attackierte der Renault-Chef auch die europäische Crashtest-Organisation Euro NCAP. Die letzten Dacia-Neuheiten Spring und Jogger waren von der Organisation mit jeweils nur einem Stern bedacht worden, was bei der Mutter Renault auf Unverständnis stößt. „Beim Thema Sicherheit zählen Fortschritte, die den Menschen wirklich etwas bringen“, zitiert die Automobilwoche Luca de Meo. „Was ich aber sehe, ist, dass zuletzt immer mehr Dinge gefordert -werden, die das Auto zu einer Art Weihnachtsbaum mit weitgehend nutzlosen technischen Spielereien machen.“
Disneyland für Zulieferer

Er habe den Verdacht, dass viele der Sicherheitsneuerungen nur deshalb von Euro NCAP für eine Fünf-Sterne-Bewertung gefordert würden, weil es sie nun mal auf dem Technologiemarkt gebe - nach ihrem tatsächlichen Nutzen für die Fahrzeuginsassen und die Umgebung werde aber oft nicht gefragt. „Sicherheitsfeatures werden zu einem Disneyland für Zulieferer, in dem sie nach Belieben ihre Ideen umsetzen können, statt wirklich sinnvolle Lösungen für den Endkunden anzubieten.

De Meo betonte, dass Euro NCAP seit Jahrzehnten eine „sehr respektable Organisation“ sei. „Sie hat uns geholfen, fokussiert zu bleiben in Bezug auf Sicherheitsfragen. Aber jetzt brauchen wir eine Debatte darüber, was der richtige Weg zu mehr Sicherheit ist.“ De Meo appellierte an den „gesunden Menschenverstand“ der EU-Politik und forderte die Bereitschaft, sich mit den komplexen technischen Zusammenhängen auseinanderzusetzen.

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