
Man kann es natürlich auch so sehen: Vielleicht bietet ein Porsche einfach häufiger Gelegenheit, versehentlich etwas zu schnell unterwegs zu sein. Die Zahlen des Vergleichsportals Verivox zeigen jedenfalls ein ziemlich eindeutiges Muster.
Unter Porsche-Fahrern liegt der Anteil der Personen mit Punkten in Flensburg 71 Prozent über dem Durchschnitt aller ausgewerteten Autofahrer. Wichtig: Das bedeutet nicht, dass 71 Prozent aller Porsche-Fahrer Punkte haben. Der Wert beschreibt lediglich die Abweichung vom Durchschnitt der untersuchten Versicherungsnehmer.
Mit großem Abstand folgt Range Rover mit 29 Prozent über dem Schnitt. Tesla kommt auf plus 26 Prozent, BMW auf 23 Prozent und Audi auf 19 Prozent. Damit finden sich am oberen Ende des Rankings vor allem Marken, deren Modellpalette eher nicht für zweistellige PS-Werte und Verzicht bekannt ist.
Auch beim Blick auf die Fahrzeugklassen ergibt sich ein ähnliches Bild. Fahrer von Oberklasseautos liegen 53 Prozent über dem Durchschnitt, Sportwagenfahrer 47 Prozent darüber.
Ganz ohne Zusammenhang mit der Leistung scheint das nicht zu sein. Autos von Fahrern mit Punkten haben laut Verivox durchschnittlich 142 PS. Fahrzeuge von Autofahrern ohne Eintrag kommen im Schnitt auf rund acht Prozent weniger Leistung.
Verivox-Geschäftsführer Aljoscha Ziller verweist dazu auf einen naheliegenden Zusammenhang: Geschwindigkeitsverstöße gehören laut Kraftfahrt-Bundesamt zu den häufigsten Gründen für Punkte. Mehr Leistung verursacht natürlich nicht automatisch Regelverstöße – sie macht hohe Geschwindigkeiten aber leichter erreichbar.
Interessant wird es, wenn nicht nach Marken, sondern nach konkreten Modellen sortiert wird. Dann landet nämlich kein Porsche auf Platz eins, sondern der Audi A5. Bei seinen Fahrern liegt der Anteil mit Flensburg-Eintrag 49 Prozent über dem Durchschnitt.
Dahinter folgen der BMW 4er mit plus 42 Prozent und der Audi A6 mit plus 40 Prozent.
Das andere Ende der Tabelle sieht erwartungsgemäß völlig anders aus. Beim Mitsubishi Space Star liegt der Anteil der Fahrer mit Punkten 45 Prozent unter dem Durchschnitt. Auch Fiat Panda mit minus 42 Prozent und Hyundai i10 mit minus 35 Prozent fallen besonders unauffällig auf. Fahrer von Kleinstwagen liegen insgesamt 23 Prozent, jene von Kleinwagen 13 Prozent unter dem Schnitt.
Wer wenig Leistung hat, scheint sich also zumindest statistisch seltener einen Eintrag in Flensburg einzuhandeln.
Bevor daraus allerdings ein Charaktertest für Porsche-, Tesla- oder Panda-Fahrer wird, lohnt sich ein Blick auf die Methodik.
Verivox hat nicht das vollständige Flensburger Fahreignungsregister ausgewertet. Grundlage sind vielmehr die Angaben von Kunden, die in den vergangenen fünf Jahren über Verivox eine Kfz-Versicherung abgeschlossen haben. Untersucht wurden die 100 Pkw-Modelle und 30 Marken mit den meisten Abschlüssen über das Portal. Die Angaben zu Punkten machen die Versicherungsnehmer selbst.
Damit ist die Untersuchung groß genug, um interessante Muster zu zeigen, aber nicht automatisch repräsentativ für sämtliche Autofahrer in Deutschland. Und schon gar nicht im Rest Europas oder gar der Welt. Außerdem sagt sie nichts darüber aus, weshalb jemand seine Punkte erhalten hat. Ein Punkt wegen eines Geschwindigkeitsverstoßes unterscheidet sich nicht von einem Eintrag wegen eines anderen Verkehrsdelikts
Auch Ursache und Wirkung lassen sich daraus nicht ableiten. Ein Porsche macht seinen Besitzer nicht zum Raser. Genauso denkbar ist, dass Menschen mit einer bestimmten Fahrweise häufiger leistungsstarke oder sportliche Autos kaufen. Eine fahrdynamische Interpretation des Henne-Ei-Prinzips.
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