Corona: Slowenien setzt Kroatien auf „rote Liste“

25. August 2020 - Krone Zeitung

Corona: Slowenien setzt Kroatien auf „rote Liste“

Slowenien wird das Nachbarland Kroatien am Freitag auf die sogenannte rote Liste der Länder mit Quarantänepflicht setzen.

Eine entsprechende Entscheidung werde die Regierung am Donnerstag treffen, kündigte ein Sprecher am Mittwoch an. Slowenische Urlauber, die bereits in Kroatien sind, sollen demnach zumindest bis Ende der Woche Zeit bekommen, einer 14-tägigen Heimquarantäne zu entgehen.

„Tatsache ist, dass sich die Situation in Kroatien dramatisch verschlechtert", zitierte die slowenische Nachrichtenagentur STA den Regierungssprecher nach einem Treffen zwischen der Regierung und der medizinischen Expertengruppe, die sie in der Corona-Pandemie berät. Demnach dürfte Kroatien bereits am Mittwoch den Grenzwert von 40 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreiten, was in Slowenien die Schwelle für die „rote Liste" bedeutet. In Kroatien wurde am Mittwoch ein neuer Rekord bei Neuinfektionen gemeldet: Binnen 24 Stunden wurden 219 Infektionen mit dem Coronavirus registriert, am Tag zuvor waren es 199 Neuansteckungen.

„Wir haben keine andere Wahl, als unsere Bürger zu drängen, so schnell wie möglich aus dem gefährlichen Land zurückzukehren. Die Situation verschlechtert sich rapide und wird noch schlechter werden", so der Sprecher. Nach den letzten Informationen befinden sich derzeit rund 160.000 Slowenen in dem Nachbarland.

14-tägige Pflichtquarantäne soll ab Freitag in Kraft treten
Die Regierung in Ljubljana soll die Entscheidung über Pflichtquarantäne am Donnerstagnachmittag treffen, am Freitag um 0.00 Uhr soll sie in Kraft treten. Alle, die ab Freitag nach Kroatien reisen werden, müssen bei der Rückreise mit Heimquarantäne rechnen, so der Sprecher. Urlauber, die bereits in Kroatien sind, sollen zumindest bis Ende der Woche Zeit bekommen, um auflagenfrei heimzureisen. Je nach Bedarf, könnte man den Rückreisenden noch am kommenden Montag eine quarantänefreie Einreise ermöglichen, fügte der Regierungssprecher hinzu.

Bereits in vergangenen Tagen hatte die slowenische Regierung zunehmend signalisiert, dass die epidemiologische Situation in Kroatien außer Kontrolle gerät und dass nach Österreich und Italien auch Slowenien Einreisebeschränkungen einführen wird. Am Montag wurde die Hälfte der 27 Neuinfektionen, die in Slowenien verzeichnet wurden, auf den Import aus Kroatien zurückgeführt. Laut Gesundheitsbehörden sind die meisten infizierten Rückkehrer junge Leute im Alter unter 35 Jahren, die angaben, Strandpartys besucht zu haben.

Laut der Leiterin der Expertengruppe, Bojana Beovic, wird Slowenien eine 14-tägige Quarantäne einführen, ungeachtet der Tatsache, dass einige Länder wie Österreich eine kürzere Periode vorschreiben. „Es stimmt, dass die Inkubationszeit bei jüngeren Menschen kürzer ist, bei älteren Menschen kann sie aber auch länger als 14 Tage sein", sagte die Epidemiologin laut STA. Die Möglichkeit, Personen nach einer Woche in der Quarantäne testen zu lassen, würde die Erkennungsrate von Infektionen auf 95 Prozent steigern, was aber laut Beovic noch immer keine vollkommen zuversichtliche Methode sei. Dabei deutete sie auf logistische Probleme hin und betonte, dass man mit den Tests wirtschaftlich umgehen müsse. „Bei uns gibt es genügend Tests für das, was wirklich notwendig ist. Das sind aber nach wie vor wertvolle Ressourcen, die wir dort einsetzen sollen, wo sie tatsächlich benötigt werden."

Erst grün, dann gelb, dann rot
Kroatien war das erste Land, für das Slowenien nach dem Lockdown die Einreisebeschränkungen vollkommen aufgehoben hat. Das südliche Nachbarland wurde am 19. Mai auf die „grüne Liste" von Ländern gesetzt, von wo man ohne Auflagen einreisen konnte. Anfang Juli wurde Kroatien im slowenischen Ampelsystem wegen zunehmenden Infektionszahlen auf die „gelbe Liste" herabgestuft. Seither mahnten slowenischen Behörden, dass kroatische Nachtlokale und Strandpartys mögliche Hotspots werden könnten.

Kroatiens Tourismus- und Sportministerin Nikolina Brnjac sagte laut Nachrichtenagentur Hina am Mittwoch in der Hauptstadt Zagreb, sie habe mit ihren österreichischen und slowenischen Kollegen Kontakt aufgenommen, um Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und der Anzahl der Infektionen in Kroatien zu ergreifen. Einige Tourismusunternehmen hätten bereits kostenlose Tests für österreichische Staatsbürger eingeführt. „Die epidemiologische Situation ist ein sehr wichtiger Faktor, und deshalb präsentieren wir ständig transparent Daten zur Situation in Kroatien und den einzelnen Landkreisen", sagte Minister Brnjac nach einer Sitzung des Innenkabinetts am Mittwoch. Branimir Toncinic, ein Beamter des kroatischen Nationalen Tourismusverbandes, betonte, dass Kroatien von der Schweiz weiterhin als stabiles und sicheres Reiseziel angesehen werde.

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