
Die Russland-Sanktionen im Zuge des Ukraine-Kriegs und die US-Zollpolitik bereiten den Autobauern massive Schwierigkeiten. Im Februar präsentierte Rolls-Royce mit dem Modell Phantom „Arabesque“ ein im Auftrag eines Kunden aus Dubai produziertes Unikat mit einer lasergravierten Motorhaube. Das von arabischer Architektur inspirierte Muster findet sich auch im holzgetäfelten Innenraum. Solche Spezialanfertigungen haben ihren Preis und sind ein wichtiger Gewinnbringer für die Branche.
Zwar liefern die meisten Luxusauto-Produzenten weniger als zehn Prozent ihrer Fahrzeuge in den Nahen Osten. Der Anteil am Gewinn liegt jedoch deutlich darüber. Grund sind Sonderanfertigungen, die den Preis eines Fahrzeugs – ein Rolls-Royce Phantom etwa kostet in der Basisversion rund 500.000 Euro – verdoppeln oder verdreifachen können.
Der Krieg der USA und Israels gegen Iran gefährdet das Geschäft der Luxusautobauer. Zahlreiche Fahrzeughersteller schlossen ihre Verkaufsräume nach Ausbruch der Kämpfe vorübergehend. Die italienischen Sportwagenschmieden Ferrari und Maserati stellten ihre Lieferungen ein. Das Geschäft ist Experten zufolge weitgehend zum Erliegen gekommen. „Die Menschen im Nahen Osten haben im Moment andere Sorgen, als sich nach einem neuen Bentley umzusehen“, sagt Bentley-Chef Walliser.
Der Autohändler „F1rst Motors“ in Dubai berät zwar wieder Kunden, die sich einen Ferrari, Lamborghini oder Bugatti zulegen wollen. Das Geschäft sei aber um 30 Prozent eingebrochen, sagt Geschäftsführer Chris Bull. „Natürlich kommen weniger Kunden zu uns, aber wir schaffen es trotzdem, unser Geschäft auf einem guten Niveau zu halten.“
Der ehemalige Automanager Palmer bezeichnet die Lage dennoch als „absolute Katastrophe“ für den Luxusautosektor. Sie stelle alles in den Schatten, was er bisher erlebt habe. Der Iran-Krieg ist nicht die einzige Krise, die die Branche bewältigen muss. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 wurden die Verkäufe nach Russland eingestellt, erläutert Stephan Winkelmann, Chef des Sportwagenbauers Lamborghini. Der wichtige chinesische Markt sei kollabiert, und in den USA dämpfe die Zollpolitik des Präsidenten Donald Trump die Nachfrage.
Bentley hatte schon vor Kriegsausbruch mit rückläufigen Verkäufen zu kämpfen. Vorerst sei eine Drosselung der Produktion nicht notwendig, betont Finanzchef Axel Dewitz. „Sollte sich die aktuelle Krise jedoch noch einige Wochen hinziehen, müssen wir die Lage neu bewerten.“